Völker und nationale MinderheitenEine Reise zu all den Völkern im Südosten Deutschlands hat auch heute noch oder - Dank des politischen und ökonomischen Wandels - gerade heute wieder etwas abenteuerliches an sich. Wer es sich einfach macht, fährt nach Rumänien, und findet dort alle versammelt:Vor allem Rumänen, ein interessantes Volk mit romanischer Sprache und mehrheitlich orthodoxem christlichen Glauben. Es gibt Tschechen an der Donau westlich von Drobeta-Turnu Severin, Slovaken in Nadlac an der ungarischen Grenze, Ungarn im Banat und in Transilvanien, Serben in Timisoara und entlang der Grenze zu Serbien, Kroaten in Carasova südlich von Resita, Ukrainer im Maramures und rund um Lugoj im Banat, Russen im Donaudelta, Bulgaren in der Dobrodga und zwischen Resita und Caransebes, einzelne Griechen, Juden im ganzen Land (früher v.a. Iasi und Bucovina), Moslems in der Dobrodga, Zigeuner überall. Letztere sprechen meist Rumänisch, z.T. Ungarisch, in der Umgebung von Reghin auch Deutsch. Die Rumäniendeutschen kann man in mehrere Gruppen unterscheiden: u.a. Dobrudscha-Deutsche (Constanta), Satmarer Schwaben (Satu Mare), Banater Schwaben (Arad, Timisoara, nördliches Banat), Banater Berglanddeutsche (Resita, Oravita, Anina, Caransebes, Otelu Rosu), Schiltaldeutsche (Petrosani, Lupeni), Regatler (Bucuresti), Landler (bei Sibiu), Siebenbürger Sachsen (Brasov, Sigisoara, Medias, Sibiu). nach oben Gefahren?Rumänien ist ein sicheres Land. Die meisten Menschen sind sehr freundlich gegenüber Touristen. Ausländerfeindlichkeit gibt es nicht.Vor organisierten Bettlern aus diversen Roma-Clans sollte man sich in Acht nehmen. Wer von Zigeunerromantik träumt, kann in Rumänien ein jähes und unangenehmes Erwachen erleben. Deshalb sollte man um Elendsviertel und lautstarke Kneipen einen Bogen machen. Autofahren ist v.a. nachts nicht ungefährlich, weil manche Fahrzeuge schlecht beleuchtet sind. Viele Pferde-Fuhrwerke haben überhaupt kein Licht. Die Hunde der Hirten können z.T. wie Wölfe anschleichen und arglose Touristen einkesseln. Darauf sollte man bei Spaziergängen auf dem Land achten. Besonders rund um Resita ist Vorsicht geboten. nach oben KleidungDeutsche Touristen beiderlei Geschlechtes fallen in Rumänien vor allem durch eines auf: Ihre nachlässige Kleidung.Für Kirchen, Konzerte, Restaurants und Museen, auf Festen und Besuchstouren kleidet man sich kultiviert. auf Deutsch: bunt und gepflegt ist angesagt, kein Schmuddel-Kram ?la Kelly-Family, keine löchrigen Jeans, keine ausgelatschten Schuhe, keine Birkenstock-Treter, keine Wanderstiefel in Kirchen und Museen. nach oben Kultur, Musik und MuseenWegen der vielen Minderheiten im Lande ist die Volksmusik sehr vielfältig und in keiner Weise mit deutschem Volks-Schmalz zu vergleichen.Museen gibt es v.a in Bukarest: das Dorfmuseum (Muzeul Satului) im Norden mit ca. 300 Gebäuden, das Bauernmuseum (Muzeul Taranului), das Kunstmuseum (Muzeul National de Arta), das Nationalmuseum (Muzeul National de Istorie) mit einem umfangreichen Goldschatz und einer Replik der Trajanssäule. nach oben VisaDerzeit wird kein Visum benötigt.nach oben FlugzeugFlugverbindungen gibt es täglich; von Frankfurt am Main nach Bucuresti. Mit Flügen nach Timisoara und Sibiu ist durchaus zu rechnen, man sollte sich aber vor Reiseantritt erkundigen, ob...Inlandsflüge gibt es morgens und abends zwischen Bukarest und den größten Städten. Tarom ist eine ganz ordentliche Fluglinie. Die Bordverpflegung ist eher bescheiden. Carpat-Air hat einen etwas couragierten Stil, auch in Schneestürmen zu landen. nach oben EisenbahnDirekte Verbindungen gibt es ab Wien, Budapest und Prag. Fahrtdauer: München-Bucuresti 24 Std, München-Arad 15 Std, Berlin-Bucuresti 30 Std, Berlin-Arad 21 StdEine rechtzeitige Reservierung ist empfehlenswert. Ungarn sollte man wg. Zugräubern nur bei Tage durchqueren. Die Grenzabfertigung geht wesentlich schneller als bei Reisebussen. Innerhalb Rumäniens sind v.a. internationale Schnellzüge und IC-Züge zu empfehlen. Letztere verkehren oft mit Triebwagen, die man in Deutschland für den Nahverkehr nimmt. Die Rapid-Züge sind nicht so schnell, wie es sich anhört. Manchmal sind sie völlig überheizt. Daher sollte man auf Bahn-Reisen stets viel Mineralwasser mitnehmen. Die Speisewagen, so welche mitfahren, sind eher bescheiden ausgestattet. Ein Accelerat ist so etwas wie ein zuschlags- und reservierungspflichtiger Eilzug. In Accelerats und Nahverkehrszügen sollte man nur die erste Klasse benutzen. Im Rapid, im Accelerat und im Nahverkehr muß mit stark verschmutzten Toiletten gerechnet werden. nach oben ReisebusAus ganz Deutschland fahren mehrmals pro Woche oder täglich Reisebusse nach Zielen im Banat, Transilvanien und nach Bucuresti. Dies ist die billigste Weise, nach Rumänien zu Reisen. Eine einfache Fahrt kostet je nach Bus-Unternehmen und Fahrtstrecke 80-100 Euro. Verpflegung nimmt jeder selbst mit. Mit mehrstündigen Verspätungen wegen schikanöser Grenzkontrollen (v.a. Ungarn), Staus und Zwangspausen wg. Überschreiten der Lenkzeiten der Fahrer (Bayern) ist zu rechnen. Auf ungarischen Rastanlagen lauern gewiefte Hütchenspieler.nach oben AutoVon Süddeutschland kann man bis kurz vor Szeged durchgehend auf Autobahnen fahren. Die Europastraße E68 hat inzwischen weitgehend europäisches Niveau. Auf ihr gelangt man zügig nach Arad, Sibiu und Bucuresti. Die Karpaten durchquert man am besten im Süden von Sibiu. Abseits der Hauptstraßen findet man sehr viele Schlaglöcher und manche Schotterpisten.Vorsicht. In manchen Orten haben Zigeunerbanden die Hälfte der Kanaldeckel geklaut. Oft sind die Kanalöffnungen nicht gesichert. Wenn man hineinfährt, droht ein Achsbruch. In Ungarn kann man unterwegs billig übernachen, sollte sich aber vor Reifenstechern in Acht nehmen. nach oben Klo-ReportToiletten sollte man noch in Österreich aufsuchen. In Ungarn läßt die Hygiene nach, je weiter man nach Osten kommt. In Rumänien braucht man selbst in manchen Hotels Gummihandschuhe. Klopapier, Seife und Handtuch sollte man auf jeden Fall dabeihaben. Zugtoiletten sind nach 24 Stunden mit Sicherheit völlig verdreckt. Im Winter ist manchmal das Wasser gefroren, aber mit etwas Glück ist durch das nicht schließende Fenster genug Schnee hereingekommen, mit dem man sich die Hände waschen kann. In Reisebussen ist die Toilette oft nach wenigen hundert Kilometern voll. Aber es werden genug Pausen gemacht. Die Fahrer wissen, wo es halbwegs sauber ist. Aber ab Ungarn fehlt immer irgendetwas. Eine saubere Toilette mit funktionierender Verriegelung, Wasserspülung, Seife, Handtuch und trockenem Boden gibt es nur in Privathaushalten.nach oben Grenze und ZollDie Gesetze und Vorschriften betreffs Einfuhr und Ausfuhr wechseln so sicher und so oft wie früher die Regierungen in Italien.Die Wartezeiten an den Grenzen: Salzburg und Hegyeshalom/Nickelsdorf - je nach Stau; Nadlac/Nagylac - je nach Arbeitswut der Rumänen (bei Schichtwechsel geht über eine Stunde gar nichts) und Schikanen der Ungarn gegen Rumänienreisende. Rumänische und Slovakische Zöllner werden bestochen, um Reisebusse schneller abzufertigen: in Nadlac fallen Euro 5,-- je Reisender an (früher DM 10,--), die Slovaken erhalten Schnaps, Bier, Zigaretten Einfuhrprobleme? Vielleicht war die Bestechungssumme nicht hoch genug oder es muß nach Schichtwechsel ein neuer Versuch unternommen werden. In den meisten Fällen wird man sich mit etwas Geduld schon einig. nach oben HilfsgüterDie Einfuhr von Hilfsgütern und Autos wurde in den letzten Jahren systematisch erschwert, weil zuviel Missbrauch getrieben wurde.Was gebraucht wird: Kaffee (um Ärzte zu bezahlen), gute(!) PKW-Ersatzteile, Stromkabel, Babynahrung, Kopierpapier Was nicht gebraucht wird: kaputte Autos, kaputte Computer, Sondermüll, Fetzen (zerrissene Altkleider), abgelaufene Medikamente, alte Schinken (aussortierte Bestseller) Grundregel: Nicht blind vertrauen, auch nicht den Kirchen, der Diakonie und den ofiziellen Vertretern der deutschen Minderheit, sondern genau kontrollieren, was mit den gespendeten Gütern geschieht. Medikamente gehören in die Hand von Medizinern mit gutem Ruf. Kleidung und Lebensmittel gibt es genug, aber viele Alte und Arme haben nicht wenig Geld. Unter keinen Umständen darf man Alkoholikern Geld geben. Sie kaufen sich Schnaps und die Kinder laufen weiterhin in Lumpen herum. nach oben PolizeiDie Polizisten sind oft korrupt und bestechlich. Z.T. gibt es Strafmandate ohne Quittungen. Bußen im Straßenverkehr werden oft willkürlich erhoben. Einmal hat mich ein Polizist nur deshalb angehalten, um zu fragen, was denn das Fahrzeug koste. Wer schnell vorankommen will, nimmt einen trampenden Polizisten mit und braucht keine Kontrollen mehr zu fürchten.Polizistenwitze gibt es in großer Zahl. Hier einige Beispiele: - Rotkäppchen, ein intelligenter und ein dummer Polizist gehen durch den Wald. Da kommt der Wolf und frißt eine Person - welche? Natürlich den dummen Polizisten, die anderen beiden gibt es nur im Märchen. - Ein Polizist steht am Straßenrand. Gegenüber ist ein Bordell mit vielen roten Lichtern. Der Polizist wird gefragt, warum er nicht über die Straße gehe. Er anwortet, daß er gelernt habe, nicht bei Rot die Straße zu überqueren. - Wieviele Polizistenwitze gibt es in Rumänien? Zwei. Der Rest ist Realität. nach oben |